Berthold Auerbach Literaturkreis

Berthold Auerbach: ein Umweltaktivist des 19. Jahrhunderts?

Seinen Heimatort Nordstetten und dessen Bewohner hat Berthold Auerbach (1812-1882) in den „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ belletristisch verewigt. In Reden und Aufsätzen befasste sich der erfolgreiche Schriftsteller und Publizist mit kulturellen, sozialen und philosophischen Fragen. Oft nahm er auch zu tagespolitischen oder ganz alltäglichen Problemen öffentlich Stellung. Entspannung und Inspiration fand er bei Spaziergängen und ausgesehnten Wanderungen.
Ein Beispiel für sein Interesse an der Natur ist der Aufsatz “Vom kranken Wald in Karlsbad“, den er am 27. Mai 1870 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung veröffentlichte. Anlass für seinen Bericht war die Beobachtung von Borkenkäferbefall, der das Fällen auch jüngerer Bäume nötig machte. Bodenerosion sei die Folge versäumter Wiederaufforstung. Auerbach, der die Bedeutung des Waldes für das Klima nicht unterschätzte, plädierte für eine ganzheitliche, ökologische Forstwirtschaft. Eine Ursache des ungesunden Insektenbefalls sah er im Mangel an natürlichen Fressfeinden, in der schwindenden Vielfalt in der Vogelwelt. Den Grund hierfür erkannte er wiederum in einer verfehlten, gewinnorientierten Forstbewirtschaftung. Wenn ganze Wälder und auch die Flussufer von Unterholz und Gestrüpp freigehalten würden, führe dies zu einem Mangel an Nistmöglichkeiten. Außer dem Verbot der Jagd auf Singvögel forderte er in einem moralischen Appell mehr Umweltbewusstsein. Über die wirtschaftlichen Interessen von Waldbesitzern stellt er das Recht der Allgemeinheit auf eine intakte Natur.