Energetisch Modernisieren im Sanierungsgebiet

(c) Tore-Derek Pfeifer
(c) Tore-Derek Pfeifer

Am Donnerstag, den 02. Februar 2017, hatte die Gemeinde Glatten in Kooperation mit der Energieagentur in Horb und der Verbraucherzentrale in das alte Schulhaus des Teilortes Neuneck eingeladen. Zwei Themen sollten dabei miteinander verknüpft werden: „Ziele, Inhalte und Fördermöglichkeiten im Rahmen des Landessanierungsprogrammes“ und „Wie mache ich mein Haus fit?“ Es nahmen fast 30 Personen, darunter auch Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer, das kostenlose Angebot wahr. Diese wurden dann in der fast zweistündigen Veranstaltung umfassend informiert.

Nach kurzer Begrüßung des „Hausherren“, Ortsvorsteher Frank Eisen, nahm Glattens Bürgermeister die Möglichkeit wahr, auf die Ziele des Landessanierungsprogramms einzugehen: „Wir wollen Gebäude attraktiv, wohnlich und gemütlich machen, Leerstände füllen oder auch innerörtliche Potentiale – sprich: Bauplätze - schaffen, auf den demografischen Wandel reagieren, um mehr Kinderlachen in den Straßen zu hören.“ Die Gemeinde sei auch in Energiefragen unterwegs; nicht zuletzt deshalb habe man sich als Gesellschafter der Energieagentur angeschlossen. Zu Beginn des inhaltlichen Vortragteils stellte deren Geschäftsführer Martin Heer dann die Agenda des Abends vor und nahm die Kernaussage vorweg: „Lassen Sie sich neutral beraten und gehen Sie das Thema an!“, so Heer in seiner Begrüßung.
Infolge übernahm Energieberater Heinrich Lutz aus Horb-Talheim, an diesem Abend in Diensten der Verbraucherzentrale, das Wort. Eingangs stellte er die Vorteile von modernisierten Immobilien heraus: „Wertsteigerung, Bautenschutz, Dorferhaltung, Klimaschutz, verminderte Energiekosten – vor allem aber: Behaglichkeit und Wohnkomfort. Dies kann man gar nicht genug hervorheben!“ Außerdem sei der Erwerb von Bestandgebäuden teilweise günstiger als ein reiner Bauplatz. Durch attraktive Fördermittel könne dies vor allem für junge Leute interessant sein.
Nachdem er die Schimmelpilzgefahr von Wärmebrücken dargestellt hatte, ging er auch auf das Thema Dämmung und damit verbundene hartnäckige Vorurteile ein. „Schimmel entsteht entgegen der landläufigen Meinung meist durch fehlende Isolierung und durch falsches Nutzerverhalten“, so der Energieberater. Ein Lüftungsanlage würde bei einer Modernisierung in den meisten Fällen sowieso Sinn machen und die Feuchtigkeit abtransportieren.
Als nächstes folgte eine Übersicht, was man gegen hohe Energieverluste tun könne. Diese Ansätze wie beispielsweise Dachdämmung, Fenstertausch, etc. belegte er mit dem jeweiligen Einsparpotential und konkreten Preisen, bevor er auf das Heizsystem zu sprechen kam. Lutz: „Die Heizung und das System müssen zum Haus passen!“ Außerdem lohne sich in jedem Fall ein so genannter „hydraulischer Abgleich“, der neben einer veritablen Kostenersparnis auch die Heizung effizienter arbeiten ließe. Hierbei verwies er auf den „Heiz-Check“ der Verbraucherzentrale, den man als Ratsuchender für anteilig nur 40 Euro bekommt und der als erste Diagnose der Heizleistung dienen könne. Bürgermeister Pfeifer „buchte“ diesen umgehend bei der Energieagentur für sein Privathaus.
Was auf einem Energieausweis stünde und wie man ihn zu lesen habe erfuhr man von ihm, bevor er auf konkrete Sanierungsbeispiele und Neubauten nach KfW-Effizienzstandard 55 einging. Hier erfuhr man, wie Energieberatung auf die örtlichen Gegebenheiten eingeht: Innen- statt Außendämmung zur Erhalt der historischen Schindelfassade, kleines privates Nahwärmenetz, Bauernhaus in  prägnanter Innerortslage oder auch Lösungsansätze bei Reihen- und Mehrfamilienhäusern.
Gegen Ende des Vortragsteils sprach er noch die verschiedenen Beratungsleistungen der Verbraucherzentrale an, die über die Energieagentur in Horb koordiniert in Anspruch genommen werden. Seine finale Aussage: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei dem Zusammenspiel aus sehr guten Handwerkern, Planern und Beratern!“
Nach einem ausgiebigen Applaus der Anwesenden und auch schon während des Vortrags gab es die Möglichkeit, Fragen an Heinrich Lutz und Martin Heer zu stellen. Dabei wurden Themen beispielsweise Sonnenschutz bei modernisierten Fenstern, Schimmelproblematik, Vorgehensweisen bei bestehender alter Innendämmung oder auch die Besonderheiten von Häusern in Holzständerbauweisen behandelt.
Zum Schluss warben beide noch einmal für das neutrale Angebot der Energieagentur mit dem Aufruf: „Lassen Sie sich beraten – es lohnt sich.“
Der Freiburger Architekt Thomas Thiele, von der Gemeinde Glatten für das Sanierungsgebiet im Ortsteil Neuneck als Sanierungsträger eingesetzt, erläuterte dann den Anwesenden Sinn und Zweck der Vorhaben, die im Landesanierungsprogramm (LSP) eingebettet sind. Bis zum Jahr 2022 stehen 1,2 Millionen Euro Fördergeld für Projekte zur Verfügung. Thiele ging auf die förderfähigen Maßnahmen, Ausnahmeregelungen und auch die Steuervorteile ein.
Dem Ortschaftsrat und dem Gemeinderat lagen bei der Festsetzung der Höchstförderung die Ziele des Klimaschutzes und der Energiewende besonders am Herzen, so dass bei förderfähigen Kosten in Höhe von 100.000 € der Maximalzuschuss nach Vorlage eines stimmigen energetischen Sanierungskonzeptes statt 30 % auf 35 % erhöht wird.
Thiele wies auch darauf hin, dass eine Doppelförderung von KfW-Zuschüssen und Sanierungsgeldern wirtschaftlich geprüft werden muss, da es unter Umständen eine Anrechnung von Förderleistung bei LSP-Verfahren geben kann (keine Doppelförderung). Dem seit 2003 in der Gemeinde Glatten tätigen Architekten ist das Sanierungsverfahren in Neuneck persönlich so wichtig, dass dieses Projekt in seinem mittlerweile doch recht großen Hause weiterhin „Chefsache“ ist. Thomas Thiele warb daher um Verständnis, wenn er nicht gleich umgehend die Mails beantworte, aber er bat auch darum, gerne bei ihm direkt nachzufragen, wenn man den Eindruck habe, dass etwas in Vergessenheit gerät.
Am Ende des Abends entließ Bürgermeister Pfeifer die Anwesenden, indem er Bezug auf das Sprüchlein über der Eingangstüre nahm: „Ich wünsche mir, dass Sie anhand dieser Informationen tätig werden können.“
Kontakt:
Energieagentur in Horb gGmbH | Neckarstr. 13 | 72160 Horb am Neckar
Tel.: 07451-5529979 | Fax: 07451-5539549  | info@eainhorb.de


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