Energiespar-Auszeichnung März 2013


Familie Rapp aus Horb-Isenburg

Gesucht und gefunden – die Energieagentur in Horb vergibt die erste "Energiespar-Auszeichnung": Familie Rapp aus Horb-Isenburg.
Im Jahr 2002 bezieht die Familie Rapp mit ihren beiden Kindern das neue Eigenheim, ein Haus mit Baujahr 1936 im kleinen Horber Teilort Isenburg. Um sich gleich wohnlich einzurichten wird das Haus direkt von innen renoviert, ein Kachelofen und eine neue Ölheizung eingebaut.

Das Dach und die Fassade müssen erst einmal warten.

Fünf Jahre später entschließt man sich für die Installation eines Holzvergaserkessels mit einem Pufferspeicher, der schon Anschlüsse und einen Wärmetauscher für eine solarthermische Anlage besitzt. So hält sich die Familie die Option für eine zukünftige Unterstützung durch Sonnenenergie offen.
Im März 2012 tritt Familie Rapp an Diplom-Bauingenieur und Energieberater Thomas Pischner, der in der Nachbarschaft wohnt, heran. Bewusst wird hierbei der Rat eines neutralen Energieberaters gesucht. Eigentlich soll er die Familie nur hinsichtlich Dachsanierung und neuer Fenster beraten. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass ein Einbau neuer Fenster in die ungedämmten Fachwerkwände zu bauphysikalischen Problemen führt, die durch eine Dachsanierung sogar noch verschärft werden können. Statt sich nur auf Dach und Fenster zu beschränken, wird vom Energieberater ein Plan für eine energetisch optimierte Sanierung aufgestellt, der Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle als ganzheitliche Lösung mit einer solarthermischen Anlage verbindet. Kostenpunkt: ca. 90.000 Euro. Die Familie entschließt sich für die Umsetzung dieses ehrgeizigen Projektes.
Als Gründe für diesen großen Schritt nennt die Familie, neben der Energieeinsparung und dem Werterhalt, den gewonnenen Komfort hinsichtlich Wohnklima und Freizeit (nun braucht man viel weniger Festmeter Holz), die verschönerte Optik (die alten Eternit-Schindel an der Fassade wurden rundum durch eine Holzverschalung mit der Schwarzwälder Weißtanne ersetzt), die aktuell sehr niedrigen Zinssätze bei der Finanzierung sowie das Umgehen der o. g. bauphysikalischen Probleme. Denn hätte die Familie ausschließlich auf neue (energetisch bessere) Fenster gesetzt, hätte dies zu Schimmelbildung führen können. „Wir wollten das Haus nicht kaputt sanieren“, so der Bauherr.
Im Sommer 2012 beginnt das Bauvorhaben. Ausführende sind, neben einem Handwerker-Kollektiv aus der Region („alles aus einer Hand“) für Dach und Fassade, einem Fenster- sowie einem Heizungsbauer, der Bauherr selbst und sein Schwiegervater Horst Pipiorke, der als gelernter Zimmermann mit seinen 75 Jahren kräftig mitanpackt. Auch die beiden Kinder helfen in ihrer Freizeit fleißig mit. Denn die Familie will so viel wie nötig und möglich als Eigenleistung erbringen. Sie lobt die reibungslose Zusammenarbeit mit den Handwerken, die mit sachlicher und technischer Unterstützung zur Seite stehen und das Bauvorhaben, wie es sich die Familie vorstellt, so erst möglich machen.
Energieberater Pischner rechnet die Immobilie als „KfW-Effizienzhaus 115“, stellt entsprechende Bestätigungen aus, unterstützt die Familie bei der Auswahl und Detailplanung der Einzelmaßnahmen, begleitet die Bauabschnitte, koordiniert die Gewerke und ist zudem noch für den hydraulischen Abgleich und die Qualitätssicherung durch den sog. „Blower-Door-Test“ zuständig. Er beziffert das Einsparpotential (von vorher zu nachher) auf ca. 75% der einzusetzenden Brennstoffe.
Aktuell steht noch das Gerüst, weil man mit den Maßnahmen in den vergangenen Winter hineinkam. Bald jedoch werden die letzten Arbeiten erfolgt sein, so dass das Haus seinen neuen „Anzug“ präsentieren kann. „Es ist jetzt schon ein Unterschied wie Tag und Nacht“, so Frau Rapp. Einig ist man sich, dass man diesen großen Schritt der umfassenden Sanierung in jedem Fall wieder machen würde. Die vier Wärmequellen – Solarthermie, Kachelofen, Holzvergaser und die Ölheizung als „Notversorgung“ – passen sehr gut zusammen; die Energieeinsparung ist selbst jetzt, auch nach trüben Monaten im Winter, spür- und messbar. Kleinere Anekdoten während der Bauphase, wie etwa den Amtsblattartikel über die „Vollsperrung der Mühlsteige“ durch den Kraneinsatz und das „Zeltlager auf dem Dach“ (zeitweise war die Familie ohne richtiges Dach über dem Kopf), werden schmunzelnd von Familie Rapp nachgereicht.

Warum aber gerade Familie Rapp als „Energiesparer des Monats“?
Mindestens vier Gründe sprechen aus Sicht der Energieagentur in Horb für die Aus-zeichnung:
1.    Das eher besondere Dämmmaterial: Mit einer Zellulosedämmung wurde ein umweltfreundliches Recyclingmaterial gewählt. Es hat geringen Energieverbrauch bei der Produktion und wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Hinzu kommen bauphysikalische Vorteile und ein hoher sommerlicher Wärmeschutz.
2.    Familie Rapp hat einen Großteil an Eigenleistung erbracht.
3.    Die Fassade wurde, nicht gerade alltäglich, mit der Schwarzwälder Weißtanne verschalt.
4.    Die Kollektoren für die Solarthermieanlage wurden aufgrund der Ost-West-Dachausrichtung an der Südfassade angebracht.
5.    Familie Rapp möchte durch Ihr Beispiel zeigen, dass man auch aus „so einer alten Kiste“ (Frau Rapp) etwas Tolles machen kann!

Diese Punkte findet die Energieagentur in Horb „ausgezeichnet“ und wünscht sich – im Landkreis und darüber hinaus - möglichst viele „Nachahmer“. Gerne dürfen sich Häuslebauer, Sanierer, Tüftler, Schulklassen, Vereine, Kommunen, Handwerk, Gewerbe und Industrie an die Energieagentur wenden. Wir suchen Monat für Monat einen neuen „Energiesparer des Monats“!