Familie Bossert aus Horb-Isenburg

Gesucht und gefunden – die Energieagentur in Horb vergibt eine weitere  Energiespar-Auszeichnung:  Diesmal darf sich Familie Bossert aus Horb-Isenburg freuen.


Im Jahr 1980 bezieht die Familie Bossert das neu gekaufte Eigenheim, ein Haus mit Baujahr um 1900 im kleinen Horber Teilort Isenburg. Man zieht einem Bauplatz in Nordstetten den markanten Altbau vor. Aufgrund des Kaufs sind die nötigen energetischen Sanierungsmaßnahmen für Dach und Fassade vorerst nicht realisierbar, sondern werden Schritt für Schritt geplant. Das Motto: „Energetisch sanieren nach Geldbeutel.“

1994 wird schließlich die Dachsanierung in Angriff genommen. Da bereits im Vorfeld fest steht, dass das neue Eigenheim auch mal eine Fassadendämmung bekommen soll, wird das Dach gleich entsprechend weit über die Fassade hinaus gezogen. Obwohl zu dieser Zeit noch nicht weit verbreitet, entscheidet man sich bei der Dachdämmung schließlich für eine Zellulosedämmung aus sauberen Naturfasern. Mit Hilfe einer Holzverschalung werden die Zellulosefasern eingeblasen und eignen sich auch besonders gut, um die im Dach vorhandenen Hohlräume perfekt zu schließen.

Sechs Jahre später entschließt sich Familie Bossert die Heizungsanlage mit einer Solaranlage zu erneuern. Damals ist die Technologie noch nicht weit verbreitet und aufgrund der Tallage und der Dachausrichtung ernten die Bosserts erst einmal verwunderte Blicke. Es werden trotzdem 18m² Solarkollektoren auf dem zuvor bereits sanierten Dach installiert. Ein Pufferspeicher mit 900 Litern wird diese Menge an Sonnenenergie zukünftig aufnehmen und unterstützend zur neuen Ölheizung den Verbrauch von Heizöl drastisch reduzieren. Die Investition lohnt sich.

2006 tritt Familie Bossert dann an Diplom-Bauingenieur und Energieberater Thomas Pischner, der in der Nachbarschaft wohnt, heran. Eigentlich soll er die Familie nur hinsichtlich neuer Fenster beraten. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass ein Einbau neuer Fenster in die Dachgauben zu bauphysikalisch Problemen führen könnte. So müssen erst einmal die Schwachstellen im Dach beseitigt werden. Hierfür fallen weitere Kosten an. Zwei Jahre später ist diese neue energetische Sanierungsmaßnahme schließlich abgeschlossen.

Im Jahr 2015 kommt dann die Fassadendämmung an die Reihe. Auch hierbei stößt man auf Probleme: Die Giebelwand ist nach innen gekrümmt, wodurch eine Dämmung, mit Styropor schlecht möglich ist. Wie schon zuvor im Jahr 1994 wird hier abermals auf Zellulosefasern gesetzt und die Wand als schöner Nebeneffekt „begradigt“. Dadurch erreicht die obere Wandspitze eine Dämmstärke von fast 70cm. So entwickelt sich die Fassadensanierung zur Versuchsbaustelle für das beauftragte Unternehmen, die eine Fassadendämmung aus Styropor mit Zellulosetechnik verbindet. Die mineralischen Holzfaserplatten, die als Putzträger dienen, haften an beiden Dämmmethoden, wodurch die Hybrid-Bauweise nicht sichtbar ist. Gefördert wird das Unterfangen durch die KFW über das Programm „Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen“.

Jetzt, nachdem die Dämmarbeiten abgeschlossen sind, stehen vorerst nur noch die Außenanlagen auf dem Programm. Aktuell werden Hof und Terrasse gepflastert. Gerhard Bossert: „Mit einem Haus dieses Alters wird man nie ganz fertig. Bei einem Neubau hat man aber auch immer etwas zu tun.“ Seine Frau Hiltrud ergänzt: „Wir bereuen nichts und fühlen uns pudelwohl.“ Die dreibeinige Katze namens Zorro, die die Bauherren beim Vorort-Termin umschwänzelt, ist augenscheinlich auch mit dem Ergebnis zufrieden. Den symbolischen Preis der Auszeichnung, eine Spardose mitsamt Energiesparschwein – dem „Maskottchen“ der Energieagentur in Horb -, will Familie Bossert ans Enkelkind weitergeben. „Da kommen dann die ersten Euros fürs Eigenheim hinein!“

   Warum aber gerade Familie Bossert als „Ausgezeichneter Energiesparer“? Folgende Gründe sprechen aus Sicht der Energieagentur in Horb für die Auszeichnung: 1. Das eher besondere Dämmmaterial: Mit einer Zellulosedämmung wurde ein umweltfreundliches Recyclingmaterial gewählt. Es hat geringen Energieverbrauch bei der Produktion und wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Hinzu kommen bauphysikalische Vorteile und ein hoher sommerlicher Wärmeschutz. 2. Familie Bossert möchte durch Ihr Beispiel zeigen, dass energetische Sanierung, je nach Geldbeutel, auch Schritt für Schritt möglich ist.

Diese Punkte findet die Energieagentur in Horb „ausgezeichnet“ und wünscht sich – im Landkreis und darüber hinaus - möglichst viele „Nachahmer“. Gerne dürfen sich Häuslebauer, Sanierer, Tüftler, Schulklassen, Vereine, Kommunen, Handwerk, Gewerbe und Industrie an die Energieagentur wenden.